

Kurzbeschreibung:
Wohnhäuser und Villen Wrangelstraße; 1884 - 1912, Architekten A. W. Prale, G. Willrath, Ehrhardt u. Carstens u.a.; beidseitige Straßenbebauung in offener Bauweise, individuelle qualitätvolle Fassadengestaltung in aufwändigen historisierenden und Jugendstilformen, belebt v.a. durch Erker und Risalite; Straßenraum mit Gehweg- und Straßenpflasterung und Straßenbäumen
Beschreibung:
Wohnhäuser und Villen Wrangelstraße. Im Wesentlichen zwischen 1884 und 1912 entstandene Wohnbebauung zu beiden Seiten der Wrangelstraße in offener Bauweise. Individuelle qualitätvolle Fassadengestaltung in aufwändigen historisierenden und Jugendstilformen, belebt v.a. durch Erker und Risalite.
Die Wrangelstraße ist durch den Ausbau eines früheren Feldweges entstanden, an dem die wohl im frühen 19. Jahrhundert erbaute und um 1880 abgebrochene Ölwindmühle "Sempkruk" lag, heute nur deren Wohnhaus als ältestes Gebäude der Straße erhalten (Nr. 14). Die westliche Straßenseite bestimmt durch vorwiegend im späten 19. Jahrhundert errichtete ein- und zweigeschossige Wohnhäuser in offener Bauweise, eng gestellt und ohne gemeinsame Fluchtlinie. Gegenüberliegend eine Reihe von vorwiegend im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstandenen Villen. Zu den Urhebern der Bauten gehören namhafte Architekten wie Alexander Wilhelm Prale, Gustav Willrath oder Hans Maria Ehrhardt und Johannes Boy Carstens.
Straßenraum. Straße auf das 18. Jh. zurückgehend und 1892 nach General von Wrangel benannt, um 1898-99 als Allee mit Kopflinden hergestellt, Straßenpflasterung Kleinsteinpflaster im Diagonalverband, Gehwegpflasterung Gelber Klinker im Fischgrät-Verband, beidseitig Straßenbäume (Linden).
Wohnhaus Nr. 1. 1908 vom Baugeschäft Schwark und Körner errichtet, schlichter zweigeschossiger Putzbau in Formen des späten Jugendstils, hohes Sockelgeschoss, Front zur Wrangelstraße mit Seitenrisaliten und Schweifgiebeln, dazwischen Altan und Balkon (1916 verändert), an der linken Ecke halbrunder eingeschossiger Standerker, seitlicher Eingang mit hoher Freitreppe, Rückseite mit flachem Risalit ebenfalls mit Schweifgiebel, daneben an der Ecke zum Garten halbrunder, von Altan abgeschlossener Standerker, im Innern modernisierender Umbau von 1957 (UD).
Wohnhaus Nr. 2. Um 1912 als zweigeschossiger Putzbau mit Anbauten errichtet, kreuzförmig durchdrungenes Walmdach, an Nordostseite Standerker mit Altan, südseitig Eingangsvorbau; im Innern bauzeitliche Ausstattung.
Wohnhaus Nr. 3. 1902 von Architekt Gustav Willrath errichtet, zweigeschossiges Mehrfamilienhaus im Landhausstil mit Pfannendach, untere Gebäudehälfte in Backstein, sonst verputzt, Drempelzone leicht vorkragend mit Zierfachwerk, Straßenfront mit flachem Vorbau und übergiebeltem Seitenrisalit mit polygonalem Erker, Dachzone mit gedrungenem geschweiftem Helm über der nordwestlichen Ecke und Fachwerk-Doppelgiebel.
Wohnhaus Nr. 4. 1885 von Architekt Alexander Wilhelm Prale, dreigeschossiger Putzbau, Straßenfront mit aufgesetztem Mezzanin und aufwendig in gelbem Backstein angelegter, gotisierender Straßenfassade mit Rotsteingliederung, schmaler Mittelrisalit, Putzfelder mit vegetabiler Sgraffitomalerei.
Villa Nr. 5. Um 1900 von Maurermeister Martin Jensen errichtet, zweigeschossiger späthistoristischer Backsteinbau über hohem Sockel mit schiefergedecktem Walmdach, reich gegliederte Fassade mit außermittigem übergiebeltem Risalit und vorgestellter Säulenloggia, der rechten Hausecke vorgelegt kastenförmiger Erkerturm mit Pyramidendach, die linke Hausecke in beiden Geschossen ebenfalls als Säulenloggia geöffnet, darin Hauseingang.
Nr. 6, Wohnhaus „Devonhurst“ um 1900, eingeschossiger geschlämmter Backsteinbau auf hohem Sockel mit pfannengedecktem Satteldach, Straßenfront mit zweigeschossigem übergiebeltem Seitenrisalit und Eingangsvorbau; rückwärtiger Erweiterungsbau jünger.
Ehem. Reedervilla Nr. 7 mit Einfriedung. 1902 von Architekt Gustav Willrath als zweigeschossiger Putzbau mit pfannengedecktem, nach Süden halbgewalmten Dach errichtet, zur Straße flachrunder Standerker, Altan und Schweifgiebel in Formen der Neurenaissance, an den Langseiten dekoratives Fachwerk in den oberen Geschossen, Eingang als kleiner Portikus mit Säulen auf hohen stuckierten Podesten und Freisparrenvordach, im Inneren alte Ausstattung zu großen Teilen erhalten.
Wohnhaus Nr. 8. 1901-02 von Christian Hummel errichtet; zweigeschossiger Backsteinbau über spitzwinkeligem Grundriss mit Schieferdach und reicher späthistoristischer Putzgliederung, vor der stumpfen Ecke gerundeter Loggienvorbau mit Altan, darüber geschweiftes Zwerchhaus vor erhöhter Dachkuppel, die beiden Fassadenteile nach außen begrenzt von Seitenrisalit mit Schweifgiebel bzw. turmartig gestaltetem Eingangsteil mit obeliskähnlichem Dachaufsatz.
Villa Nr. 9 mit Einfriedung. 1902 von Architekt Heinrich Petersen als zweigeschossiger Putzbau in historistischen Formen errichtet, mit Schieferdach und turmartiger von Zeltdach bekrönter Ecke, dreigeschossige Giebelfront mit vorgelegtem, an den Seiten gerundetem Standerker, seitlich polygonaler Standerker mit Altan und Ziergitterbrüstung, Gartenseite mit Säulenloggia; Einfriedung schmiedeeisernes Ziergitter.
Wohnhaus Nr. 10, um 1900, zweigeschossiger traufständiger Gelbsteinbau auf hohem Putzsockel mit schiefergedecktem Satteldach, dreigeschossiger übergiebelter Risalit.
Villa Nr. 11 mit Einfriedung. 1902 von Architekt Gustav Willrath als zweigeschossiger Putzbau mit Schieferdach über unregelmäßigem Grundriss errichtet, Eckrustizierungen durch kräftige Buckelquader, Hauptfront zur Wrangelstraße mit Schweifgiebel, darunter Standerker mit Altan, an der Ecke zur Roonstraße eingeschossiger polygonaler Standerker; Einfriedung schmiedeeisernes Ziergitter.
Wohnhaus Nr. 12, um 1900, historistischer Putzbau aus zwei zwei- bis dreigeschossigen giebelständigen Baukörpern mit verbindendem Mittelteil, Satteldächer mit Schieferdeckung.
Villa Nr. 13 mit Einfriedung. 1900 von Maurermeister Chr. Fürstenberg errichteter, zweigeschossiger traufständiger Putzbau im Landhausstil mit Halbwalmdach und südlich angelagertem Giebeltrakt, polygonalem Standerker und Altanabschluss, Fassadengliederung in gelbem und rotem Backstein, Dekor aus gelbem Backstein, Giebel in Fachwerk. Straßenseitig schmiedeeiserne Einfriedung.
Wohnhaus Nr. 14. Ehemaliges Müllerhaus 1. Hälfte 20. Jh., ehemals zur früheren Ölwindmühle Sempkruk gehörig, eingeschossiger geschlämmter Backsteinbau mit neun Achsen, Mitteleingang und Halbwalmdach; 1960 durch Jens Dall zum dänischen Pastorat umgebaut.
Wohnhaus Nr. 14a. 1888-89 durch Maurermeister Chr. Henningsen errichtet, eingeschossiger Putzbau mit schiefergedecktem Satteldach, Fassade in spätklassizistischen Formen, zweigeschossiger, übergiebelter Seitenrisalit mit vier Achsen, kräftiger Eckquaderung und Pilastergliederung.
Villa Nr. 15. 1900 von Architekt Alexander Wilhelm Prale entworfen, eingeschossiger traufständiger Putzbau auf hohem Backsteinsockel mit seitlich eingestelltem Giebeltrakt, Schopfwalmdächer mit Zierdeckung, Fassadengliederung in rotem Backstein, straßenseitig Loggia mit Backsteinpfeilern unter flachem Satteldach.
Wohnhaus Nr. 16, 1885 von Max Albrecht entworfen, eingeschossiger traufständiger Gelbsteinbau mit schiefergedecktem Walmdach, Fassade mit Rotsteingliederung, übergiebelte Seitenrisalite, dazwischen vorspringende verglaste Holzveranda.
Wohnhaus Nr. 17, E. 19. Jh., eingeschossiger traufständiger Putzbau mit schiefergedecktem Walmdach, Front mit übergiebelten Seitenrisaliten, dazwischenliegend Standerker, rückwärtig zweigeschossiger Anbau mit Mansarddach.
Ehem. Reedervilla Nr. 19. 1912 von Architekten Ehrhardt und Carstens errichtet, zweigeschossiger Putzbau auf hohem Sockel mit pfannengedecktem Walmdach und übergiebeltem Seitenrisalit, Fronten mit schlichter Gliederung im Reformstil, an der Gartenseite polygonaler seitlicher Risalit mit halbrundem Standerker und Altan, im Inneren reiche Ausstattung zu großen Teilen erhalten.
Villa Nr. 21a. 1891, Gebr. Hummel; zweigeschossiger Putzbau im neuklassizistischen Duktus mit Seitenrisaliten, vorgelagerten Loggien und Veranda, Eingang mit Säulenportikus, Satteldächer mit Schieferdeckung; Einfriedung mit Pforte und Einfahrtstor.
Wohnhaus Nr. 22, Ende des 19. Jhs., zweigeschossiger traufständiger Putzbau mit schlichter spätklassizistischer Gliederung über neun Achsen, schiefergedecktes Satteldach.
Wohnhaus Nr. 23, um 1900 als zweigeschossiger traufständiger Putzbau auf hohem Sockel errichtet, dreigeschossiger giebelständiger Quertrakt, schiefergedeckte Satteldächer, straßenseitig zweigeschossiger Standerker und vorgestellte Loggien.
Wohnhaus Nr. 24. Der zweigeschossige traufständige Putzbau auf hohem Sockel wurde 1891 von Maurermeister Carl Schulz errichtet, mit schiefergedecktem Satteldach und überhöhtem Seitenrisalit, eingestellt in den Winkel zweigeschossiger Bauteil mit Altan.
Wohnhaus Nr. 25. 1896 von Maurermeister Carl Schulz errichtet, zweigeschossiger Putzbau in historisierenden Formen mit schiefergedecktem Mansarddach und dreigeschossigem giebelständigem Quertrakt mit turmartiger Eckbetonung, vorgelagert zweigeschossiger Standerker neben Säulenloggia, je mit Altan.
Wohnhaus Nr. 26 mit Einfriedung. Eingeschossiger, um 1900 errichteter Putzbau mit schiefergedecktem Satteldach, traufständige Hauptfront zur Mühlenstraße, hier mittiges, flach übergiebeltes Zwerchhaus; Verandenvorbau 1926 ergänzend hinzugefügt. Straßenseitige Einfriedung schmiedeeisernes Ziergitter.
Mehrfamilienhaus Nr. 27. 1904 durch Maurermeister Martin Jensen errichtet, zweigeschossiger Putzbau mit Backsteinziergliederungen, dreigeschossigem giebelständigem Quertrakt und schiefergedecktem Walmdach, vorgelagerter turmartiger polygonaler Standerker in Backstein mit Putzgliederung und Zeltdach.
Wohnhaus Nr. 29. 1902 durch Maurermeister Martin Jensen errichtet, zweigeschossiger Putzbau mit schiefergedecktem Walmdach, dreigeschossiger giebelständiger Quertrakt, davor polygonaler Standerker mit Altan, Fassadenzier in historisierenden- und Jugendstilformen.
Wohnhaus Nr. 31. Repräsentatives Eckgebäude zur Selckstraße, 1902-03 von Maurermeister Martin Jensen entworfen, zwei- und dreigeschossiger Putzbau mit Backsteinzierelementen und schiefergedecktem Walmdach, vor der stumpfen Ecke in Backsteinsichtmauerwerk mit Putz und Zierfachwerk ausgeführter Erkerturm, Front zur Selckstraße mit übergiebeltem Seitenrisalit und Loggienvorbau mit Freitreppe.
Im Zuge der Ausbreitung des Flensburger Stadtgebietes in preußischer Zeit ließen sich die wohlhabenden Bürger Flensburgs vorrangig auf der westlichen Höhe im Bereich um den Alten Friedhof nieder. Die dabei entstandenen aufwendigen Wohnhäuser prägen noch heute diesen Stadtteil. In der Übernahme historisierender Formen, bevorzugt wurde damals die Epoche der deutschen Renaissance, kam die Sehnsucht nach gediegener Tradition und vornehmer Wohnkultur zum Ausdruck. Äußeres Erscheinungsbild und innere Ausgestaltung entsprechen den damaligen Repräsentationsbedürfnissen des gehobenen Bürgertums. Wurden tendenziell vor 1900 anspruchsvolle Entwürfen von Handwerksmeistern realisiert entstanden ab 1900 individuell gestaltete Wohnhäuser und Villen nach Planungen namhafter örtlicher Architekten. Der in hoher Anschaulichkeit überlieferte Straßenzug der Wrangelstraße zählt mit seinen Gebäuden zu den sehr qualitätvollen und gut erhaltenen Beispielen der Villenarchitektur aus der Zeit der Jahrhundertwende in Flensburg.
Die vorliegenden besonderen geschichtlichen, städtebaulichen und künstlerischen Denkmalwerte begründen ein öffentliches Interesse an der Erhaltung und Erforschung des Ensembles.